4. März 2015 by George Anakin Branchennews 0

Der Preis eines guten Fotografen

Der Preis eines guten Fotografen

Leider kommt es immer häufiger vor, dass Kunden und Interessenten die Arbeit, die Mühen und den Wert des Berufs-Fotografen unterschätzen. Natürlich hat jede Dienstleistung ihren Preis und man sollte mit seinem Beruf gut leben und selbstverständlich auch Rücklagen bilden können. Seit über 20 Jahren stehe ich täglich im Kontakt mit internationalen Kollegen, Hobbyfotografen, Visagisten, Agenturen, Designern und selbstverständlich auch den potentiellen Auftraggebern. Aktuell erhalte ich auf Facebook täglich mehr als 50 Shooting-Anfragen aber seltsamerweise sollte ich vieles einfach umsonst machen?

Die Branche wird mit Werbeüberschriften „Shooting ab 19 EUR“ auf den üblichen Gutschein-Portalen gerade massiv in den Dreck gezogen. Die seriösen und ehrlichen Berufsfotografen haben damit zu kämpfen…, enorm. Für diese 19 EUR bekommst Du nämlich „nichts“. Ich selbst habe mal kurzzeitig für ein dort werbendes Unternehmen gearbeitet. Nach dem SHOOTING kam jeder für eine Handvoll unansehnlicher Fotos auf über 250 EUR. Einstiegswortlaut nach dem Shooting lautet dann: „so, jetzt sehen wir mal was bei Ihrem Gutschein mit dabei ist“… nämlich kurz gesagt: NIX! :xD

Vorweg sollte man aber zwischen Amateur-, Hobby- und dem Berufsfotografen unterscheiden:

Die Amateur- und Hobbyfotografen
Jeder von uns fängt irgendwann an, bei mir war es vor über 30 Jahren, das ist selbstverständlich, daher keine Abwertung an diese Gruppe. In der Regel schon im Besitz einer Digitalen Spiegelreflexkamera welche meistens mit einem Standard-Objektiv versehen ist. Oft haben viele bereits eine Facebook-Fan-Seite mit einigen „Likes“ und präsentieren sich dort als Vollprofis. Ich schätze das komplette Foto-Equipment auf ca. 800 Euro. Die Kategorisierung liegt hierbei im “Anfänger” bis Anfang “semi-professioneller” Bereich. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Die Kosten und Aufwendungen dieser Gruppe
Diese ambitionierten Fotografen betreiben die Fotografie meist als Freizeit- oder Nebenbeschäftigung oder ‚MANN’ sucht einfach den Kontakt zu jungen gutaussehenden Mädchen, und diese Gruppe muss nicht davon leben. Mit ihrer Ausrüstung fotografieren diese Jahre lang, denn Sie haben nicht denselben Verschleiß wie Berufsfotografen und somit im Vergleich, auch geringere Kosten. Die Miete für ein Studio entfällt, was schon ein gewaltiger Kostenfaktor ist (Studiomiete, Nebenkosten, Versicherungen, etc.) Sozial abgesichert sind sie in ihrem Hauptjob, d.h. keine Extrakosten. Die Materialkosten sind sehr gering und werden aus dem Hobby-Etat bezahlt. Und wie ich leider des Öfteren hören musste, auch hier werden Beträge zwischen 50 und 100 EUR gefordert, welche selbstverständlich nicht versteuert werden.

Der Qualitätsstandard der Amateur- und Hobbyfotografen
In diesem Punkt streiten sich oft die Gemüter, als Berufsfotograf weiß ich allerdings wovon ich spreche. Langjährige Erfahrung und Praxis können nicht durch ein paar Shootings ersetzt werden. Gute Bilder sind auch im Hobbybereich möglich, keine Frage, professionell aber bis auf wenige Ausnahmen eher die Seltenheit. Es reicht einfach nicht aus auf den Auslöser zu drücken! Später mehr dazu…

Der Preis für diese Arbeit
Der Stundenlohn bzw. der Projektpreis ist meist pauschal, schliesslich fließt alles in die Kaffeetasse. Es kommt leider viel zu oft vor, häufig in der Hochzeitsfotografie, das sich manche Kollegen für 80 Euro am Tag anbieten und hin- und wieder sogar eine Hochzeit abstauben. Mal ehrlich, was kann man für diesen Preis erwarten? Viele Bilder, okay! Professionelle Bilder wage ich zu bezweifeln… :xD – Auch hier meist alles am Fiskus vobei.

Nun zu den Profi-Fotografen

Berufsfotografen (Autodidakten, Gelernte, Studierte)
Diese Gruppe arbeitet Full-Time und hat einige Jahre bis Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Kerbholz. Unternehmerische Fähigkeiten gehören genauso zum Beruf wie professionelles Foto-Equipment und Know-How in der Bildbearbeitung, Fotomontage, Retusche. Ich z.B. bilde mich im Monat ca. 30 bis 40 Stunden weiter… Schulungen, das Erlernen neuer Techniken, Rechtliche Erfordernisse und vor allem die Ausbildung professioneller Nachfolger.

Die Kosten und Aufwendungen eines Berufsfotografen

Als Berufsfotograf benötigt man folgendes Foto-Equipment:

Ein bis zwei professionelle Vollformat/Mittelformat -Kameras (Kosten ca. 3 700 – 50 000 Euro)
Mehrere Objektive (Kosten ca. 5 000 – 40 000 Euro)
Blitzanlage oder mind. 4 externe Blitze (Kosten ca. 2 000 – 8 000 Euro)
Akkus, Strom, Filter, sonstiges Zubehör (Kosten ca. 5500 Euro)
Einen iMac 27″ mit zweitem Bildschirm für eine schnelle Bearbeitung (Kosten ca. 3 000 – 5 000 Euro)
Diverse lizensierte Bildbearbeitungssoftware (Kosten bei mir mtl. ca. 200 Euro)
Studio (Miete + Nebenkosten + Versicherungen), in der Regel ca. 1800 Euro mtl.
Gebühren Handwerkskammern, Berufsverbänden und Kosten Steuerberater
Assistenz, Visagisten und Stylisten

Alles in einem kommt man bei einer guten Ausstattung auf einen guten Mittelklassewagens. Dazu kommen Kosten für Telefon, Hotline (bei mir freecall 24/7), Internet, Werbekosten und Personal, die Lebenserhaltungskosten dazu, wie z.B. Miete, Krankenversicherung, Absicherung, Verpflegung, Auto, etc. und selbstverständlich die solidarische Abfuhr von Umsatz- Gewerbe- und Einkommensteuer.

Der Qualitätsstandard eines Berufs- bzw. Profifotografen

fotostudioDer Berufsfotograf hat natürlich ganz andere Qualitätsansprüche an sich, die er an seine Kunden weitergibt. Umgekehrt erwarten die Kunden eine ganz andere Qualität als vom Amateur- oder Hobbyfotografen. Hier reicht ein einfaches drauf los Knipsen nicht mehr aus. Kenntnisse in Photoshop und anderen Programmen sind daher, genauso wie Bildoptimierung für Print und Web, Pflicht! Ganz besonders in der Produkt- und Werbefotografie hat man hier als Amateurfotograf das Nachsehen. Es fehlt an Know- How und Fachwissen.

Der Preis für Fachwissen und KnowHow
Ein Stundenlohn zwischen 90 – 150 Euro (oder mehr) ist für Berufsfotografen selbstverständlich und völlig gerechtfertigt. Bei Inanspruchnahme von mehreren Stunden kann aus Kulanz ein Rabatt gewährt werden, genauso bei Hochzeitsreportagen. Die anschließende Bildbearbeitung muss ebenfalls in Rechnung gestellt werden, denn wir machen das ja schließlich nicht aus Spass, es ist unser Beruf. Da darf man sich bei einem 1-stündigen-Shooting nicht über 100 Euro wundern. Das ist schon ein Schnäppchen! Dazu kommen Anfahrt und Spesen, weil Berufsfotografen sehr oft bundesweite oder internationale Einsätze haben. Ich habe bei einem Profishot eine Visa, eine Stylistin und einen Helfer zu bezahlen… und all das hat eben seinen Preis.

Ich verzichte lieber auf einen Auftrag als mich unter Wert zu verkaufen; wer Qualität möchte… hat seinen Preis dafür zu bezahlen und das in jeder Branche.

Ich, als Fotograf, habe die Möglichkeit, mit meinen Fotos die Menschen zu berühren und ihnen einen Anlass zum Träumen oder Nachdenken zu geben. Der Grund, warum wir kein besseres Leben für uns erschaffen können, ist der, dass es bereits perfekt ist. Das Problem ist, dass wir diese Vollkommenheit nicht erkennen...

Leave a Comment!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top