Ist wirklich die Freiheit der Kunst in Gefahr?

Ist wirklich die Freiheit der Kunst in Gefahr?

Ist wirklich die Freiheit der Kunst in Gefahr? Gibt es daneben noch Religionsfreiheit in Zeiten des Terrors?

Wir sind von tragischen Ereignissen umschattet. Der Terror umgibt uns, bringt ebenso die Angst mit sich, die Familie und sich selbst vor möglichen Anschlägen nicht mehr ausreichend schützen zu können. Mit der Gefahr wächst auch das Feindbild. Alles, was sich verhüllt und andersartig auftritt, eine andere Kultur mit sich bringt, wird zur Herausforderung von Toleranz und Akzeptanz. Daneben zielen die Terroranschläge, insbesondere durch die IS, immer auf Unschuldige und auf Einrichtungen der westlichen Kultur und damit der Kunst. Ob nun das Drama um „Charlie Hebdo“, einer kritischen Zeichnung, die sich durch politische Comics hervortat, oder die jüngsten Todesfälle in Paris, immer wird das Kulturelle angegriffen, da Religion und Kunst sich nicht in allen Kulturen die Waage halten. Wo im Westen beides als freie Entscheidung und Meinungsäußerung gilt, scheint Religion mit Kunstfreiheit woanders nicht möglich zu sein. Doch aufgrund der sogenannten „political correctness“ soll diese nun auch in Deutschland in Frage gestellt werden?

Schon eine Weile scheinen sich die Ansichten hier ganz neu zu differenzieren, gar in zwei Richtungen zu spalten. Was erlaubt ist und was nicht, was schon in Ordnung geht und wo sich eine Kultur nicht in eine andere drängen sollte – das sind die aktuellen Fragen, die anscheinend immer schwerer zu beantworten sind. Die Freiheit der Kunst musste sich bislang keinem religiösen Diktat beugen. Es gilt, diese Freiheit zu verteidigen, weil mit der Hinterfragung, was erlaubt ist und was nicht, im Bereich der Kunst und Kultur, auch Grundsätzlicheres auf dem Spiel steht. Nicht nur Deutsche, gerade auch die Betroffenen und die Muslime selbst, hoffen darauf, dass diese Freiheit gemeinsam verteidigt wird, denn vieles basiert auf Fehlinformation, Meinungs- und Panikmache.

ist_wirklich_die_freiheit_der_kunst_in_gefahr_Vorab muss leider tatsächlich erwähnt werden, dass der muslimische Glauben nichts mit Terrorismus oder dem aktuell gefürchteten Angriffen durch die IS zu tun hat. Er ist ein friedlicher Glaube, der weltweit von Regierungen und Terrorgruppen missbraucht wird. Glaube bedingt natürlich Religion und gewisse, durch den Glauben angenommene Traditionen, die auch außerhalb der muslimischen Gebiete, so in Deutschland, nicht so einfach abgelegt werden. Auch unter Muslimen unterscheiden sich diejenigen, die die Traditionen wahren von denen, die die modernen Entwicklungen einer anderen Kultur und Gesellschaft akzeptieren und sich an diese anpassen.

Das hat viele Diskussionen aufgeworfen, insbesondere wenn es um das Verhüllen des Körpers geht, z. B. um das Tragen einer Burka, die im deutschen Sprach- und Aktionsraum natürlich in der Menge auffällt. Akzeptanz ist nicht nur Fremden gegenüber ein Muss, sondern auch unter den Muslimen selbst. Wie überall gibt es Fanatiker, die durch die politischen Verbrechen und Bedingungen aufgepeitscht werden und umso mehr an alten Traditionen festhalten, die möglicherweise in einer heutigen Zeit ihren einstigen Wert und Zweck nicht mehr in gleicher Weise erfüllen.

In Saudi-Arabien werden immer noch Menschen hingerichtet, welche angeblich Straftaten gegen den muslimischen Glauben begehen. Letztendlich ist es jedoch nur ein Vorwand, lästige und unangenehm auffallende Personen loszuwerden. Diese Regierungen leben im Mittelalter und Menschenrechte werden mit Füssen getreten. Da diese Länder jedoch meist über großen Reichtum verfügen, wird ein Auge zugdrückt und weiterhin ein gutes Geschäft gemacht.

Aktuell ist erneut die Burka im Gespräch. So hat doch kürzlich ein deutscher Richter gegen die öffentliche Meinung eine Frau mit Burka im Gerichtssaal toleriert. Dabei handelte es sich um eine Tunesierin, die vermummt im Münchner Amtsgericht saß. Die Zeugin trug eine Burka, eine für deutsches Denken und deutsche Gewohnheit fragwürdige Verschleierung. Dieser Vorfall ließ dann auch gleich wieder die ewige Diskussion über die Totalvermummung aufkommen, die die Ansichten spaltete. Bayerische Politiker forderten darauf aufs Neue lautstark ein Verbot.
Das schürt dann wiederum die Verunsicherung. Wie soll man sich verhalten, was akzeptieren, auch der Strom an Flüchtlingen und Menschen, die aus einer ganz anderen Kultur, nach Deutschland kommen, verändert die Einstellung dazu. Viele Unwissende verwechseln das Tragen einer Burka dazu auch noch mit dem Vermummungsverbot, das untersagt, dass Teilnehmer eine Demonstration ihr Gesicht verdecken oder Gegenstände mitführen, die dazu bestimmt sind, das Gesicht zu verdecken, da dadurch natürlich verhindert wird, dass der Mensch identifiziert werden kann.

Wenn es dieser Tage eine Botschaft gibt, dann die, dass wir unsere Werte, Regeln und Gesetze verteidigen müssen. Allerdings nicht mit Fremdenhass und Vorurteilen. Es ist der Kampf für das Recht auf Freiheit, auf Kunstdarstellung und einen eigenen Glauben.

Kunst provoziert und bricht umso mehr Tabus. Manche Tabubrüche geschehen vielleicht aus zweifelhaften Motiven, nämlich aus der Lust an der Provokation, aber das liegt nun einmal auch in der Natur des schöpferischen Vorgangs und der Idee an sich. Nur so können die Gewohnheiten gesprengt werden, und diese „Bomben“ sind bei weitem besser, die Gemüter aufzuwecken, als die tragisch tödlichen, mit denen wir tagtäglich in den Medien konfrontiert sind. Aber zu sagen, was erlaubt ist und was zu weit geht, ist ein natürlicher Prozess der Kunst und der Tabu-Bruch wird immer in Frage gestellt. Religiöse Menschen können natürlich erklären, warum sie diesen Song, jenes Bild, diesen Film oder jenes Gedicht als Zumutung empfinden oder sogar als Angriff auf ihren Glauben. Aber aus der gefühlten Beleidigung sollte niemals ein Anschlag auf Menschen oder den Künstler selbst erfolgen. Denn das ist eben die Freiheit der Kunst und modernen Welt.

Was mir persönlich auch Sorgen macht, ist die Tatsache, dass das deutsche Volk immer mehr auf seine einst so wichtigen
Rechte und Werte verzichtet. Das ist nicht nur Unsicherheit, sondern auch Bequemlichkeit, wenn nicht gar reine Ignoranz, eines der schlimmsten Zeichen unserer Zeit und Gesellschaft. Auch bleibt weiterhin fragwürdig, was manche Menschen schon als abartig betrachten.

So hatte ich vor kurzem ein Foto einer „Remington 700 Police“ veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein Gewehr, das weltweit von Polizeikräften verwendet wird. Ich bekam darauf recht üble Reaktionen, darunter die Aussage, es wäre der absolut falsche Zeitpunkt so etwas zu veröffentlichen. Wann wäre dann in dieser Hinsicht der richtige? Gibt es die richtige Zeit für Kunst? Lässt sich die Frage nicht immer stellen, wenn es um Kunst geht?

Meiner Ansicht nach sollte Kunst gerade auch die Themen bearbeiten, die eben aktuell sind, traurig machen oder Kritsch sind und darum genau ins Zeitgeschehen stoßen. Sich ein Jahr später mit einer Situation auseinanderzusetzen, die längst durch neue Ereignisse überschattet ist, bringt nichts und ist weit entfernt von Kunst und Aussage. Kunst ist auch politisches Engagement, besonders wenn es, wie bei mir, um Fotografie geht.

Sicherlich bin auch ich der tiefen Überzeugung, dass die Anschläge der IS auf unsere westliche Welt schrecklich und bedauernswert sind. Aber ich akzeptiere keine Vorurteile und schon gar nicht den Vorwurf, mich als Fotograf aufgrund der allgemeinen Befindlichkeit mit diesem Thema nicht intensiv auseinandersetzen zu dürfen, denn in dieses spielen Faktoren hinein, die seit Jahren aktuell sind und immer wieder neu aufgeworfen werden, durchmischt von falschen Informationen und einer Vermischung von verschiedenen Bedingungen.
Das Tragen der Burka ist nun einmal eine andere Diskussion als die Terroranschläge in Paris und die damit einhergehenden Auswirkungen. Fremdenhass und Vorsicht sind immer noch zwei verschiedene Aspekte, die Dinge zu betrachten und die Menschen zu unterscheiden.

Daher habe ich mich auch für mein neues Projekt entschieden, zu zeigen, wie sich westliche Einstellung mit muslimischer Tradition und Religion dennoch vereinbaren lässt, auch wenn ich weiß, dass hier durchaus eine gewisse Provokation beabsichtigt ist, die nicht so sehr auf die Verschleierung selbst zielt, als vielmehr zeigen soll, dass sich hinter dem verfluchten Terror und dem in den Medien kreierten Feindbild immer noch Menschen verbergen, die sind wie du und ich, was bedeutet, dass auch sie weit davon entfernt sind, mit Terror und Gewalt in Verbindung gebracht zu werden.
Meine offene und ehrliche Meinung zu dieser mir ewig erscheinenden Diskussion möchte ich also in Form eines provokativen Fotos veröffentlichen. Ich lasse mir meine Freiheit keinesfalls nehmen und möchte, wie viele Künstler, öffentlich um diese kämpfen.

Ich persönlich akzeptiere andere Glaubensrichtungen. Ich akzeptiere auch das Tragen der Burka. Im Gerichtssaal und in Schulen hat diese jedoch, meiner Ansicht nach, nichts verloren. Ich denke, wer nach Deutschland kommt und hier leben möchte, der sollte sich auch etwas mehr an die Kultur anpassen. Möchte er seine Traditionen ins Extreme weiterleben, dann muss er das eben in seinem Land tun.

Aber damit kommt dann die nächste Frage auf: Warum tragen diese Frauen überhaupt Burkas? Sie verschleiern den Körper vor einer Öffentlichkeit, um den für sie heiligen Wert zu bewahren. Im „Qur’an, Surah 33 (Al-Ahzab), Verse 59” heißt es:

„O Prophet! Say to your wives and your daughters and the women of the faithful to draw their outergarments close around themselves; that is better that they will be recognized and not annoyed. And God is ever Forgiving, Gentle.”

An anderer Stelle wird geschrieben:

„And say to the faithful women to lower their gazes, and to guard their private parts, and not to display their beauty except what is apparent of it, and to extend their headcoverings (khimars) to cover their bosoms (jaybs), and not to display their beauty except to their husbands, or their fathers, or their husband’s fathers, or their sons, or their husband’s sons, or their brothers, or their brothers‘ sons, or their sisters‘ sons, or their womenfolk, or what their right hands rule (slaves), or the followers from the men who do not feel sexual desire, or the small children to whom the nakedness of women is not apparent, and not to strike their feet (on the ground) so as to make known what they hide of their adornments. And turn in repentance to Allah together, O you the faithful, in order that you are successful.“

( Qur’an, Surah 24 (An-Nur), Verse 31)

So wird schon etwas deutlicher, warum diese Frauen ihr Wesen verschleiern. Ich jedoch fand in einem sozialen Netzwerk vor kurzem tatsächlich ein Playboy-Cover (vermutlich handelte es sich um ein „Fake“-Bild) mit vermummten Nackten. Diese Idee reizte mich, um die Grenzen etwas auszubalancieren und auch, durch Kunst, zu übertreten. Und welche westlichen Werte sprechen schon dagegen, wenn ich eine Frau zeige, deren Verhüllung etwas provokativer wirkt? Das Shooting fand an verschiedenen Orten statt, hauptsächlich in Paris und Mailand, bevor ich die richtige Einstellung fand, die meine Idee so herüberbrachte, wie ich es mir vorstellte. Nun, ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen.


@paris – photos by George A. Rauscher, models unknown
Link zur Pressemitteilung: http://www.openpr.de/news/881276.html

Ich, als Fotograf, habe die Möglichkeit, mit meinen Fotos die Menschen zu berühren und ihnen einen Anlass zum Träumen oder Nachdenken zu geben. Der Grund, warum wir kein besseres Leben für uns erschaffen können, ist der, dass es bereits perfekt ist. Das Problem ist, dass wir diese Vollkommenheit nicht erkennen…

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